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Mitglieder unterwegs: Besuch der St.Antony-Hütte in Oberhausen

Im Rahmen der Reihe „Besuche der anderen LVR Museen“ ging es am 19.04.2019 zur St. Antony-Hütte in Oberhausen, der ersten Eisenhütte mit Hochofen im Ruhrgebiet. Das Museum befindet sich in dem einzigen erhaltenen Gebäude, dem Wohnhaus des Hüttendirektors Jacobi mit seinen beiden Anbauten. Im Wohnhaus ist die Dauerausstellung zur Geschichte der St. Antony-Hütte mit Funden aus den Ausgrabungen zu sehen; zusätzlich schaute sich die Gruppe auch die Sonderausstellung „Maloche“ an. Dr. Eckhart Hofmann hat den Bericht vom Besuch samt Fotos für Cromford aktuell zusammengestellt.


In dem Wohnhaus ist die Dauerausstellung zur Geschichte der St. Antony-Hütte mit Funden aus den Ausgrabungen zu sehen. Zusätzlich konnten in der Sonderausstellung „Maloche“ beeindruckende Fotografien aus dem Arbeitsleben in den Werken der ehemaligen Gutehoffnungshütte (GHH) betrachtet werden. Die Fotos sind dem umfassenden Industrie-Fotoarchiv der GHH entnommen, das dem LVR zur Aufbewahrung überlassen wurde. Der auf der anderen Straßenseite dieses Gebäudes liegende erste Industriearchäologische Park Deutschlands gehört ebenfalls zu dem Museum.

Die Museumsleiterin Frau C. Panek gestaltete die Führung für den Förderverein anders als üblich. (Bild rechts: Blick in die Ausstellung, Quelle: LVR-Industriemuseum) Schwerpunkt ihrer spannenden Ausführungen war die wechselhafte Geschichte der Eisenhütte verbunden mit dem Wirken der Protagonisten von der Wenge, Haniel, Jacobi und Krupp. Es fiel nicht schwer, Parallelen zur heutigen Zeit zu ziehen.

Von der Wenge, der Domkapitular von Münster, stellte 1740 bei seinem für bestimmte Mineralien – hier Raseneisenerz mit etwa 50 % Eisenoxid – zuständigen Landesherrn, dem Erzbischof Clemens August von Köln, den Antrag in Osterfeld am Elpenbach eine Eisenhütte zu errichten. Erst 13 Jahre nach Antragstellung erhielt er nicht zuletzt wegen zahlreicher Einsprüche die Genehmigung ein Hüttenwerk zu errichten und zu betreiben. Am 18. Oktober 1758 floss dann das erste Eisen aus einem Hochofen im Ruhrgebiet. Der mit Holzkohle und Raseneisenerz betriebene Hochofen wurde von belgischen Fachleuten errichtet. Die Betriebsleitung hatte ein Fachmann aus dem Siegerland. Bereits 85 Jahre später, 1843, wurde der Hochofenbetrieb eingestellt. Endgültig wurde die als Gießerei weiter betriebene Hütte 1877 geschlossen. Die ungünstige Verkehrslage, Rohstoffmangel und veraltete Anlagen waren die Hauptursachen für die Schließung. Die wechselhafte 120jährige Geschichte dieser Hütte ist mit vielen Abläufen in der heutigen Zeit vergleichbar.

Im Alter von 71 Jahren setzte von der Wenge 1779 Pächter ein. Die Pächter aus Bocholt hintergehen von der Wenge und demontieren bei ihrer Kündigung große Teile der Einrichtungen. Ein weiterer Pächter, der Hüttenfachmann Pfandhöfer, eröffnet im Frühjahr 1782 als Wettbewerber seine eigene Hütte „Gute Hoffnung“ in Sterkrade. Kurz nach dem Tode von der Wenges betreiben die Erben den Verkauf der Hütte. Nach einigem Streit und Gerichtsverfahren mit den Pächtern und Pfandhöfer kann St. Antony von der Essener Hütte an der Emscher übernommen werden. Beide Werke haben eine gemeinsame Betriebsleitung und erreichten damit eine deutliche Verbesserung des Betriebsergebnisses. Von Vorteil ist, dass die Kaufleute Haniel aus Ruhrort mit beteiligt sind. Durch Heirat und damit verwandtschaftliche Beziehungen wird die Familie Haniel zum Haupteigentümer beider Hütten. Die mittlerweile Amalie Krupp gehörende Hütte „Gute Hoffnung" läuft nicht gut. Deshalb verkauft sie diese an den Bürgermeister von Essen, wiederum ein Verwandter der Familie Haniel. Damit gehören nun alle drei Werke indirekt der Familie Haniel, denn Jacobi ist mittlerweile familiär auch mit den Haniels verbunden.

Die Gruppe des Fördervereins vor dem einzigen erhaltenen Gebäude der St. Antony-Hütte und Bild rechts: Die Fundamente des Maschinenhause und Kupolofen, die Teil der durch das Stahldach geschützten Ausgrabungen sind.

Unmittelbar nach Stilllegung der Antony-Hütte 1877 wurden die meisten Gebäude abgerissen. Einige werden umgebaut und dienten der Fa. GHH noch lange als Werkswohnungen. Mit Genehmigung des Landeskonservators Wagner erfolgt 1969 ein Abriss dieser Wohnungen und das Gelände wird in einen Park umgewandelt. Die NRZ schreibt am 29. Mai 1969: Gelände der "Wiege der Ruhrindustrie" wird Grünfläche.

Unter dem 1000 m2 großen Stahldach des angrenzenden Industriearchäologischen Parks sind Mauerreste und Fundamente der ehemaligen Produktionsanlagen der Eisenhütte zu sehen. Deutlich erkennbar sind die Fundamente eines Hochofens, Kupolofens, des Kesselhauses sowie Teile der Gießerei. Leider konnte an unserem Besuchstag wegen einer Störung die installierte 3-D Animation nicht ablaufen.

Dr. Eckart Hofmann