Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können.

Wenn Sie diese Webseite nutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.

Mitglieder unterwegs (2)

Mitglieder unterwegs: Besuch des Kreisarchivs Mettmann

Am 09.01.2019 griff eine kleine Gruppe des Fördervereins die Einladung von Herrn Schulz-Hönernagel, dem Kreisarchivar und Mitglied unseres Fördervereins, auf, das Archiv in Mettmann zu besuchen. Herr Schulz-Hönernagel brachte uns zunächst auf interessante und anschauliche Weise die 200-jährige Geschichte des Kreises Mettmann näher. An der von ihm erstellten Wanderausstellung „200 Jahre Kreis Mettmann“  konnte die Entwicklung und Geschichte des Kreises von 1806 bis zum heutigen Tage verfolgt werden. Dr. Eckart Hofmann berichtet von der Entdeckungstour zur Heimatgeschichte.


Napoleon errichtete im Rahmen der Gründung des Rheinbundes 1806 das auf rechten Rheinseite gelegene Großherzogtum Berg, zu dem auch Teile des Herzogtums Kleve, sowie Essen, Werden und Abschnitte des Münsterlandes gehörten. 1813 wurde das Großherzogtum nach französischem Vorbild in Departements, Arrondissements (Kreise), Kantone und Bürgermeistereien unterteilt. Düsseldorf war Departementhauptstadt des etwa von Bonn bis Wesel und Dorsten reichenden Rhein-Departements.

Bereits 1810 trat der „Code Napoleon“ in Kraft. Dieses Gesetzbuch für Zivilrecht hatte bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900 ausschließlich in den Rheinprovinzen Gültigkeit, ansonsten galt seit 1815 preußisches Recht. In dem Archiv durften wir uns als besondere Rarität eine Originalausgabe des „Code Napoleon“ aus dem Jahre 1810 in deutscher und französischer Sprache ansehen (linke Seite jeweils in Deutsch, rechte in Französisch).

1815 wurde das Rheinland endgültig von Preußen übernommen, wobei die zuvor erfolgte Gebietsaufteilung und Verwaltungsstruktur weitgehend beibehalten wurde. Wenn sich auch Funktion und Aufgaben der Landräte in Verlauf der Jahre deutlich verändert haben, gab es diese bereits seit Einführung der Kreise, landrätliche Kommissare. An Hand der gezeigten Dokumente und Karten konnten die kommunalen Gebietsveränderungen (z.B.1910, 1929/30,1933 und 1975) im Laufe der 200 Jahre ebenso wie die Entwicklung des Kreises verfolgt werden. Die Vorgaben einer verwaltungstechnischen Vereinfachung, Infrastrukturmaßnahmen und regional unterschiedliche wirtschaftliche Veränderungen waren wesentliche Gründe für Änderungen der Kreisgebiete. So wurde 1929/30 im Rahmen der kommunalen Neugliederung der Landkreis Düsseldorf-Mettmann geschaffen. Der damalige Düsseldorfer Wunsch einer Eingemeindung der umliegenden Städte/Gemeinden wie Ratingen, Erkrath, Haan, Nevenheim, Büderich, Lank-Latum und andere erfüllte sich nicht. Mit der Kommunalen Neugliederung wurde nach mehreren Rechtsstreitigkeiten 1975 aus dem Kreis Düsseldorf-Mettmann der in seiner Zusammensetzung und Grenzen  aktuelle Kreis Mettmann.

Die Möglichkeit im Verlauf des Besuchs alte Niederschriften von Gemeinderatsbeschlüssen, Wahlergebnissen, Bauplanungen und andere Protokolle aus dem Kreis einsehen zu können, war sehr interessant. Vergleichbare Dokumente werden weiterhin archiviert. Den alten Unterlagen konnte entnommen werden, dass viele Fragestellungen vom Grundsatz her den heutigen sehr ähnlich sind. Zu seinen Aufgaben als Archivar befragt, sagte Herr Schulz–Hönernagel, die wichtigste Aufgabe des Archivars ist es „wegzuwerfen“. Das bedeutet, aus den vielen vorgelegten Dokumenten die für Geschichte und Entwicklung des Kreises relevanten auszuwählen und zu archivieren. Im Schnitt wird in den Archiven etwa nur 1% der vorgestellten Unterlagen dauerhaft hinterlegt.

Die Aufgabe des Kreisarchivars ist sehr verantwortungsvoll und erfordert ein hohes Maß an Um- und Weitsicht. Die abschließend gebotene Möglichkeit, einen Einblick in das umfassende Archiv im Keller des neuen Kreistagsgebäudes zu erhalten, erfreute die Gruppe besonders. Die übersichtliche Ablage in den für moderne Archive und Bibliotheken üblichen verfahrbaren Spezialregalen birgt eine Vielzahl von interessanten „Schätzen“, teils noch aus der Zeit vor der Kreisgründung. So z. B. die Sammlung ganzer Jahrgänge von Tageszeitungen bis hin zu den 1860er Jahren, die ein wichtiges Dokument für die Geschichte der Region sind. Dank der sehr guten Ausführungen und der ausgewählten Exponate von Herrn Schulz-Hönernagel vergingen die gut 2 Std. Besuchszeit im Fluge. Es fiel schwer, sich von den interessanten Schriften und Aufzeichnungen zu trennen. Darüber hinaus haben wir die Erkenntnis gewonnen, wie vielfältig, wichtig  und verantwortungsvoll die  Aufgaben eines Kreisarchivars sind.

Dr. Eckart Hofmann
Joomla templates by a4joomla