Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können.

Wenn Sie diese Webseite nutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.

Made in Cromford

"Made in Cromford": Erfolgsausstellungen aus der Textilfabrik

Mit der aktuellen Sonderausstellung „Mode 68“ haben die Kuratorinnen – mal wieder – den Publikumsgeschmack getroffen und 51 Jahre danach ist nicht nur die 68er-Generation vom Ratinger Rückblick auf das Kultjahr 1968 begeistert. Doch auch frühere Produktionen aus der Textilfabrik überzeugen noch immer – z.B. im Projekt „100 jahre bauhaus im westen“.

Museumsleiterin Claudia Gottfried verrät wie es läuft mit der aktuellen Schau und was die „Macht der Mode“ mit dem Bauhaus zu tun hat.  


Die aktuelle Sonderausstellung in Cromford: Mode ’68. Mini, sexy, provokant.

50 Jahre ,1968´. So lange ist es inzwischen her, dass die Bundesrepublik die größten gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Umwälzungen seit ihrer Gründung erlebte. Der Wandel vollzog sich in allen Lebensbereichen – besonders sichtbar in der Kleidung — und er kam nicht plötzlich, sondern hatte sich über Jahre hinweg angebahnt.

Keine Dekade bot dem Einzelnen zuvor so zahlreiche und differenzierte Möglichkeiten des Konsums und der persönlichen Entfaltung, aber auch der politischen Teilhabe. Gesellschaftliche Normen wurden gelockert, eine freiheitliche Lebensgestaltung und ein neues Lebensgefühl plötzlich möglich. Nicht alle waren jedoch begeistert vom Wertewandel der Gesellschaft. Es herrschte Spannung zwischen konservativen, eher beharrenden Kräften und solchen, die die Modernisierung der Gesellschaft vorantrieben. Überall knirschte es. Das spiegelte sich besonders deutlich in der Kleidung.

Erinnern Sie sich noch an die Mode in den 60ern? Trugen Sie auch Miniröcke und Maxikleider, Hot Pants und Schlaghosen, Weltraum-Look und Hippie-Gewand, asymmetrischer Kurzhaarschnitt und wilde Mähne. Nicht zu vergessen: Jeans und Parka. Damenhafte Eleganz sowie Schlips und Kragen waren doch wirklich passé.

Was war passiert? Auch im Bereich der Mode machte sich der neue Einfluss von Teenagern und Studenten bemerkbar. Die junge und kaufkräftige Generation konnte und wollte sich mit dem Kleidungsverhalten und der Mode ihrer Eltern nicht mehr identifizieren. Neues Leitbild wurde die Jugendlichkeit. Vorbilder für die Mode wurden nun auf der Straße gesucht, in den Jugendszenen und der entstehenden Popkultur. Die neuen ,It-Girls´ waren Models wie Twiggy und Jean Shrimpton mit kindlich-mädchenhaftem Look. Auch die angesagten Pop-Stars, allen voran die Beatles, die Rolling Stones und Jimi Hendrix, prägen die Mode wie nie zuvor. Die moderne Kunst, die Pop-Art und Op-Art dienten der Mode ebenfalls als wichtige Inspirationsquellen. Mit dem ‚Sommer of Love 1967‘ kommt dann auch die Mode der Hippies hinzu. Auf der Suche nach Spiritualität und Abenteuer brachten diese von ihren Reisen bunt gemusterte Gewänder und Schmuck aus fernen Ländern mit, die sie in kreativer Weise mit anderen Stilen mischten.

Kleidung war jetzt oft ein politisches Statement. Mit Parka und Jeans wurde gegen das Establishment, gegen die Konservativen und Alten demonstriert. Der Che-Guevara-Stern am Barett verriet Zugehörigkeit zu den Linken. Hippiegewänder waren von der Friedensbewegung geprägt. Minirock, Hotpants und Bikini galten als Symbol für die sexuelle Befreiung, wobei Befreiung nicht mit Emanzipation verwechselt werden sollte. Und die Polit- und Studentenszene der 68er? Rudi Dutschke und Co? Welche Rolle spielte Mode bei ihnen? Den meisten war Kleidung zunächst offenbar völlig egal. In Anzug und Hemd hielten sie ihre Reden in den Hörsälen, diskutierten und gingen zur Demo. Erst allmählich übernahmen sie die neue Kleidung der Jugendkulturen, tauschten Anzughosen gegen Jeans, das Hemd gegen den Rollkragenpullover. Nur die ‚Kommune I‘ inszenierte ihren Protest ganz gezielt mit provozierenden Outfits.

50 Jahre 1968. In den Medien war das Thema ja in 2018 nicht zu übersehen. Zum 50-jährigen Jubiläum wurden zahlreiche Ausstellungen gemacht, unzählige neue Bücher und Publikationen erschienen, die Medienresonanz war enorm.

Das Industriemuseum Cromford hat dem Ausstellungs- und Publikationsreigen des Jubiläumsjahres jetzt eine weitere Ausstellung mit einem eigenen Blick auf diese Zeit hinzugefügt. Nämlich dem auf die Kleidung und das Kleidungsverhalten der Zeit. Damit scheint dieses Museum das einzige zu sein, dass sich diesem Thema widmet. Auch wenn in den diversen anderen Ausstellungen Minirock, Jeans und Parka als offenbar unvermeidliche Objekte immer wieder auftauchen, werden sie doch nur illustrativ eingesetzt und nicht selbst zum Thema gemacht. Eigentlich doch überraschend. Denn selten spielte Kleidung im Kontext gesellschaftlicher Wandelungsprozesse eine so große Rolle wie in den 60er und frühen 70er Jahren, entzündeten sich an Kleidung so heftige gesellschaftliche Debatten und Konflikte.

So freuen wir uns, dass wir noch bis Ende des Jahres dieses bunte und schillernde Thema präsentieren können. Die Ausstellung zeigt über drei Etagen in der ‚Hohen Fabrik‘ wie sich die Gesellschaft und mit ihr die Kleidung in den 1960er und frühen 1970er Jahren veränderte. Wir präsentieren mehr als 150 Originalkleidungsstücke und Accessoires aus der umfangreichen museumseigenen Sammlung, die zu einem nicht geringen Teil auf Schenkungen aus Ratingen beruht. Die Medien- und Besucherresonanz auf die Ausstellung ist schon jetzt sensationell: Allein zur Eröffnung kamen an die 500 Gäste – ein neuer Rekord. Aber auch jetzt läuft die Ausstellung gut. Viele Gäste fühlen sich erinnert an ihre Hippiezeit und gehen gut gelaunt durch die Ausstellung, genießen die bunten Kleider, die Filme und Duftstationen. Nur die Führungen durch die Ausstellung entwickeln ihre ganz eigene Dynamik: Viel mehr als einige inhaltliche Impulse kann ich oft gar nicht geben, dann reden die Zuhörer, unterhalten sich gegenseitig und erzählen von ihren eigenen Geschichten. Auch gut und wir hören gespannt zu!

Claudia Gottfried
 
---------------------------------------------

"mythos „neue frau“. mode zwischen kaiserreich, weltkrieg und republik
Sonderausstellung aus Ratingen jetzt im LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller Euskirchen.

Erinnern Sie sich noch an die Ausstellung „Macht der Mode. Zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik“, die ab Herbst 2015 für ein Jahr hier in Cromford lief? Wie fast alle Ausstellungen, die hier in Ratingen konzipiert werden, wandert auch diese erfolgreiche Ausstellung weiter. Im letzten Jahr war sie in Engelskirchen zu sehen und seit Februar läuft sie in Euskirchen, jetzt aber in leicht modifizierter Form unter dem Titel „mythos „neue Frau“.

Die Ausstellung, die den radikalen Modewandel zwischen 1900 und 1930 von den geschnürten Schleppkleidern zu den Charlestonkleidern thematisiert, läuft jetzt im Rahmen des Bauhausjubiläums. Sie ist nun Teil des großen Projektes ‚100 jahre bauhaus im westen‘, ein Projekt des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Bis zum 17.11.2019 ist sie noch in Euskirchen zu sehen und danach wandert sie zu ihrem letzten Standort ins LWL-TextilWerk in Bocholt.

 Infos unter:

www.industriemuseum.lvr.de

www.bauhaus100-im-westen.de

Claudia Gottfried
Joomla templates by a4joomla