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Besuch bei Balcke-Dürr / SPX am 19.August 2008Der Tag, an dem Balcke-Dürr zur Muttergesellschaft in Oberhausen zog, war für Ratingen ein schwarzer Tag. Nach sechs Jahren der Abwesenheit ist die Firma - zwar in einer etwas veränderten Struktur - in neu gebauten Räumlichkeiten jedoch im ehemaligen Gelände wieder am Ostbahnhof zu finden.
Das war ein guter Grund für den Förderverein mit einer Gruppe von rund 60 Personen diesen innovativen Betrieb zu besuchen. Das Gelände gehörte ursprünglich der Firma Düsseldorf-Ratinger Röhrenkesselfabrik DÜRR & Co., die im Jahre 1883 von den Gebrüdern Walther und Gustav Dürr als Marinekesselfabrik gegründet wurde. Damals waren Dampfschiffe der letzte Stand der Technik. Der Standort war ideal neben einer der ersten Bahnstrecken, der Bergisch-Märkischen Eisenbahn. Auf Einkammer-Wasserrohrkessel (Schiffskessel für die damals modernen Dampfschiffe) und dann Steilrohrkessel folgten über die Jahrzehnte weitere Innovationen in den Bereichen Apparatebau und Kesselbau und die Dürr-Werke AG konnte sich auch am internationalen Markt etablieren. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Dürr-Werke AG mehrheitlich von der Deutschen Babcock AG übernommen. ![]() Der Name Balcke stammt von der Maschinenbaugesellschaft Balcke, die in Bochum im Jahre 1894 von dem Ingenieur Hans-Joachim Balcke aus Oberhausen und dem Kaufmann Otto Kleinschmidt gegründet wurde. Zunächst baute die Firma offene Gradierwerke. Die zunehmende Industrialisierung führte jedoch zu einem immer größeren Bedarf an Kühlwasser und bot die ideale Anwendung für den von Hans-Joachim Balcke erfundenen zunächst aus Holz gebauten Kaminkühler. Solche Kühler wurden sowohl in Kraftwerken wie auch in der chemischen Industrie eingesetzt. Über die Jahre etablierte die Firma den Apparatebau neben dem Kühlturmbau als zweites Standbein durch den Erwerb von Firmen in Frankenthal und Neubeckum. Der Begriff Balcke wurde bald zu einem Synonym für Kühltürme. Im Gegensatz zur Dürr-Werke AG in Ratingen, deren Fertigung während der Kriegsjahre nur kurz gebremst wurde, wurden die Werkstätten und Bürogebäude der Firma Balcke in Bochum zerstört und viele technische und kaufmännische Unterlagen gingen verloren. Nach dem Krieg wurden viele Großkraftwerke an Rhein und Ruhr gebaut und als Komponentenlieferant profitierte die Firma von dem Aufschwung. Im Oktober 1972 wurde MAG Balcke dann mit der Babcock-Tochtergesellschaft Dürr-Werke in Ratingen verschmolzen. Für die Mitarbeiter aus Bochum bedeutete dies ein tägliches Pendeln, aber es gab ja die S-Bahnverbindung und mit der Zeit gewöhnte man sich daran. Das neue Unternehmen hatte nun drei Standbeine - Kühlung, Apparatebau und Kesselbau und über die nächsten zwei Jahrzehnte ging es bergauf. Die Hallen in Ratingen und auch im Werk Neubeckum waren mit Leben gefüllt, als Kraftwerkskomponenten für die ganze Welt produziert wurden. Mitte 2002 erklärt sich die Muttergesellschaft, Babcock-Borsig AG, für zahlungsunfähig und ein Insolvenzverfahren wurde eröffnet. Kurz danach wurde Balcke-Dürr mit damals 450 Mitarbeitern von der amerikanischen SPX Corp. aus der Insolvenzmasse herausgekauft. Seitdem besitzt SPX 100% der Anteile an der Balcke-Dürr GmbH. Seit der Rückkehr aus Oberhausen ist es in den Werkshallen etwas stiller geworden und es gibt nur wenige Mitarbeiter an den Maschinen zu sehen, allerdings geht es dem Unternehmen, das in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert, wieder sehr gut. Für die Besichtigung der Werkshallen und des F&E-Bereiches wurden die Besucher vom Förderverein in zwei Gruppen aufgeteilt und von den Herren Hannemann, Holten, Dorner und Schuler geführt. Am äußersten Ende des Geländes in der Nähe der ehemaligen "Fernost"-Halle befindet sich der Bereich der Zukunft. Im Freien steht ein 30-Jahre alter Versuchskühlturm für Nasskühlung, der einzige dieser Art in Europa. Hier werden die Kühlturmeinbauten und Rieselgitter sowie die Verbindung Rippe zu Rohr für den Wärmetransport getestet. In der Halle selbst standen viele Prototypen aus Plexiglas. Zunächst die Staubfilter und E-Filter, die die Partikel aus den Rauchgasen ausscheiden, damit diese nicht mit dem Schwaden emittiert werden. Daneben stand ein Prototyp für die Brennstoffzellentechnik und zwar ein Reformer, der dafür sorgen soll, dass die Abluft keine schädlichen Gase mehr enthält. Dies ist die Technologie der Zukunft und zurzeit wird die Leistung dieser Anlage hoch skaliert. In diesem Bereich kooperiert die Firma mit Ansaldo in Italien. ![]() Eine vor 20-Jahre patentierte Entwicklung von Balcke-Dürr ist das Delta-Wing-Mischer-System. Im Plexiglas-Modell wird der Rauchgasweg abgebildet. Durch entsprechende Positionierung der Mischerscheiben entsteht das optimale Anströmprofil für den Entstickungs- bzw. Entschwefelungsprozess. Im F&E-Bereich sind rund 19 Mitarbeiter einschließlich Lehrlingen tätig und ab und zu gibt es auch Werkspraktikanten. Es werden keine kompletten Kessel mehr in Ratingen gebaut, nur Komponenten wie Membranwände und Rohrpakete für den Kondensationsprozess in Dampferzeugern. Wir konnten den beeindruckenden Unterwasser-Brennschneid-Vorgang für Rohrhaltestege beobachten. Dieses Verfahren verhindert, dass beim Zuschneiden Metallpartikel und Gase in die Luft entweichen. Zwei weitere Mitarbeiter haben mit Hilfe einer CNC-gesteuerten Maschine Kesselrohre auf ein genaues Maß kalt gebogen. Eine Unterpulver-Engspalt-Schweißmaschine stellte die dichte Verbindung zwischen Rohr und Membran her. Etwas Nostalgie gab es auch in der Halle: die beiden in Deutschland gebauten Deckenkräne stammten aus den Jahren 1941 und 1955, ihr Alter war ihnen jedoch nicht anzusehen. ![]() Nach der ausführlichen und sehr interessanten Besichtigung ging es in die Kantine der Firma, wo wir zu einem sehr leckeren Büffet eingeladen wurden. Technisches I-Tüpfelchen: Ein Schokoladenbrunnen. Aus der anschließenden Präsentation lernten wir mehr über die jetzige Struktur und die heutigen Tätigkeiten der Firma, die 1158 Mitarbeiter in Ungarn, China, Südafrika, Italien und natürlich Deutschland beschäftigt. Ein Film machte uns deutlich, wo die Komponenten, die wir in der Werkshalle gesehen haben, letztendlich ihren Platz im Kraftwerk finden. Wir möchten uns bei der Firma Balcke-Dürr nochmals für den sehr informativen und für uns alle sehr interessanten Besuch herzlich bedanken. Cynthia Beißwenger |





